Wien im glanzvollen Kleid
Für die nächsten fünf Monate ist die österreichische Hauptstadt mein neues Zuhause. Hier studiere ich ein Semester an der Fachhochschule WKW. Wien beeindruckt mit prachtvollen Gebäuden aus der Renaissance, Gotik und Barock. Musikalisch bietet die Stadt das Beste der Klassik von Mozart, über Strauss bis zu Vivaldi. Was mich besonders fasziniert: Trotz der Grösse fühlt man sich hier schnell heimisch. Die folgenden Zeilen beschreiben meine ersten Wochen in dieser strahlenden Stadt.
«Grüss Gott» – eine ruhige Stimme begrüsst mich. Sie gehört einer etwa 70-jährigen Dame, die auf einem alten Eichenstuhl in einer kleinen Antiquitäten-Buchhandlung im ersten Bezirk sitzt – mitten in der Touristengegend. Vor mir stapeln sich hunderte Bücher, und innerhalb von Sekunden habe ich den Überblick verloren. Die Auswahl an Postkarten ist überwältigend und dazwischen entdecke ich Notizbücher, Stifte und andere kleine Souvenirs. Die Dame schreibt in aller Ruhe Preisschilder und lässt sich von mir nicht stören, nur gelegentlich hebt sie den Blick. Ich manövriere mich vorsichtig durch den engen Laden und finde schliesslich, was ich suche: einen Kalender für 2025. Diesen Teil der analogen Welt liebe ich besonders – handschriftliche Notizen zu machen, etwas durchzustreichen oder abzuhaken, das hat etwas Befriedigendes. Ich bezahle und verlasse diesen idyllischen Ort, der voller Geschichten und Ideen steckt. «Tschüss Baba», ruft mir die Dame zum Abschied hinterher.
Wiener Schätze im Verborgenen
Solche kleinen, versteckten Orte gibt es viele. Meine Google-Maps-Liste umfasst inzwischen über 200 Pins, die ich nach und nach erkunden möchte. Mein Highlight zu Beginn: ein Spaziergang entlang der Ringstraße. Von der U-Bahn-Station Schottentor führt der Universitätsring am beeindruckenden Universitätsgebäude und dem Rathausplatz vorbei. Gegenüber strahlt das Burgtheater im Abendlicht. Die Fassade glitzert in der Sonne. Im Inneren des Burgtheaters sind Werke des berühmten österreichischen Malers Gustav Klimt zu sehen. Seine Gemälde zeigen antike Szenen, Künstler des klassischen Theaters sowie Szenen aus Werken von Shakespeare und Molière. Weiter geht es zum Naturhistorischen und Kunsthistorischen Museum am Maria-Theresien-Platz. Fun Fact: Beide Gebäude sind identisch, einzig ein kleiner Bronze-Elefant vor dem Naturhistorischen Museum deutet auf den Unterschied hin.
Der Spaziergang führt entlang des Opern- und Kärntner Rings. Direkt am Eingang zur berühmten Kärntner Strasse steht die Wiener Staatsoper, die in die Innere Stadt und zum Stephansdom führt – Wiens grösste Kirche, gefolgt von der 99 Meter hohen Votivkirche mit ihren zwei Türmen.
Wer es grün und ruhig mag, findet schnell den Weg von den prachtvollen Gebäuden rein in die idyllischen Parks: der Volksgarten, der Stadtpark oder der Burggarten laden dazu ein, auf einer Parkbank die Abendsonne zu geniessen, den Klängen von Strassenmusikern zu lauschen oder sich in ein gutes Buch zu vertiefen. Für mich sind diese grünen Oasen inmitten der Stadt eine willkommene Abwechslung. Wien bietet eine grosse Anzahl an Grünflächen. Werden die turbulenten Touristenströme zu viel, kann man an diesen besonderen Flecken rasch zur Ruhe kommen.
Verlängerter, Wiener Melange oder Fiaker?
Ja, die Kaffeeauswahl in Wien ist gross und durchaus komplex. Mittlerweile habe ich den Überblick. Die Kaffeekultur hier ist unglaublich vielfältig. Einer der Klassiker ist der Wiener Melange, häufig bestellt werden auch der kleine oder große Schwarze. Ich trinke öfters den Verlängerten mit etwas Milch. Der Fiaker hingegen wird mit einem Schuss Rum versüsst. Den besten Chai-Latte servieren die Einheimischen aus dem Café Schopenhauer. Viele Wiener Cafés sind gemütlich eingerichtet, oft kombiniert mit einem Buchladen oder dem Verkauf von ihren hauseigenen Kaffeebohnen. Ein besonderes Highlight ist das Café an der Burggasse 24. Dort gibt es nebst Kaffee auch Kleider und weitere Accessoires zu kaufen. Besonders für Studierende gibt es zahlreiche Orte, an denen man gut lernen und sich zurückziehen kann. Dieser Text entstand mit Kaffee & Kuchen im Café Caspar.
Das sind weitere Kaffee-Lieblings-Orte auf meiner Liste:
Die Wochen hier sind bislang sehr abwechslungsreich und inspirierend. Österreichs Hauptstadt hat kulinarisch sowie kulturell eine Menge zu bieten. Ich bin dankbar, hier zu sein und freue mich auf alles, was kommt.